Die heutige Parteienorganisation ist zum großen Teil gesetzlich festgelegt. Sie wirkt wie ein zu eng gezurrtes Korsett. Auch wenn der Gesetzgeber damit eine lebendige Demokratie befördern wollte, so bewirkt es im heutigen Umfeld eine Erstarrung. Das Folgende zeigt negative Ergebnisse, getrennt nach der Wirkung auf etablierte Parteien und Neugründungen.
A. Bestehende Parteien
1. Personalentwicklung. Die jetzige Parteienorganisation bringt „die Falschen“ nach oben, nämlich solche, die das Fach „innerparteilicher Machtkampf“ beherrschen. Diese sind nur zufällig (wenn überhaupt) fachlich und charakterlich geeignet, politische Ämter verantwortungsvoll zu führen. Ergebnis: eine politische Klasse der Unfähigen. (Siehe auch hier, Chaim Noll, Mario Thurnes.)
2. Oligarchisierung. Eine Parteioligarchie, bestehend aus Politikprofis, die die Tricks und Kniffe kennen sowie die Zeit für die Parteimaschinerie haben, dominieren die Parteigremien; das normale Mitglied wird entmündigt. Parteitagsbeschlüsse und Parteiprogramme repräsentieren nicht den Willen der Mitglieder, sondern die abgehobene Weltsicht der politischen Klasse. (Siehe auch Fritz Goergen.)
3. Politikverdrossenheit. Verantwortungsvolle Bürger/Wähler, die weder Neigung noch spezielle Eignung zu immerwährenden innerparteilichen Machtkämpfen haben, ziehen sich aus der Politik zurück. Politikverachtung breitet sich aus. Diese Parteienorganisation zerstört ein Lebenselixier der Demokratie: die Bereitschaft zur Mitwirkung am Gemeinwesen.
B. Parteineugründungen
1. Ersticken im Vorschriftengestrüpp. Der anfängliche Elan der frühen Mitglieder wird aufgefressen vom Vorschriftenbefolgen. Vereinsmeierei breitet sich aus. Den ehrenamtlichen Amtsträgern bleibt wenig Zeit für die eigentliche Politik. (Siehe auch hier.)
2. Nicht endende innerparteiliche Konflikte. Die eigentlich wünschenswerte innerparteiliche Demokratie führt zu persönlichen Dominanzkämpfen und zu programmatischem Streit: Mit Kompetenten anderer Auffassung (oft über Kleinigkeiten(!), wenn sich die Lieblingsthesen der Kontrahenten widersprechen), aber dann auch ausgiebig mit Inkompetenten, Abseitigen, Ideologen, Profilneurotikern, Streithanseln. Auch das kostet unendlich viel Energie. (Siehe auch hier.)
3. Attraktion von Ideologen und Karrieristen. Hat die neue Partei trotz (1) und (2) eine gewisse Stabilität erreicht, so zieht sie zwei weitere Personengruppen an: Ideologen und Karrieristen. Diese wollen die neue Partei als ideologisches Sprachrohr bzw. als Sprungbrett in die materielle Versorgung benutzen. Neue innerparteiliche Machtkämpfe sind die Folge. (Siehe auch hier.)
4. Radikalisierung, Verdrängung der Gründer. Gerade die Vorgänge unter Punkt (3) führen leicht zur Radikalisierung der Partei, weil Extreme oft bereit und in der Lage sind, viel Zeit und Energie in die Machtkämpfe zu investieren. Im Extremfall werden die Gründer durch die Radikalen verdrängt, wie es der Führungsgruppe unter Bernd Lucke in der AfD passiert ist. (Siehe auch hier.)
5. Verhinderung von demokratischem Wettbewerb. Die genannten Prozesse sind geeignet, den erfolgreichen demokratischen Wettbewerb durch neue Parteien zu be- oder gar zu verhindern. Die herrschende Politikoligarchie bleibt unbedroht, weil fähige, eigentlich engagierte Menschen keine akzeptable Möglichkeit sehen, sich aktiv für ihr Land und ihren Staat einzusetzen.
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