Die soziologische Perspektive

Diese Website kritisiert die Politik, hier: die Parteien, aus einer soziologischen Perspektive.

Gemäß dieser Perspektive ist es wenig sinnvoll, in der jetzigen Politikkrise die Charakterfehler einzelner zu kritisieren. Vielmehr ist der Charakter der heutigen Politikergeneration Ergebnis von Politikerauswahl und Politikertraining, welches in den politischen Parteien stattfindet.

Selbstselektion und Auswahl im Wettbewerb

Die Politikerauswahl ist zum einen das Ergebnis von Selbstselektion: Welche Personen mit welchen Persönlichkeiten fühlen sich überhaupt zum heutigen politischen Geschäft hingezogen? Welche sind davon so abgestoßen, dass sie sich weigern, am aktiven politischen Prozess teilzunehmen?

Zum zweiten ist die Politikerauswahl das Ergebnis der Umstände in den Parteien: Welche Personen sind angesichts der (zum großen Teil gesetzlich vorgeschriebenen!) Parteienorganisation in der Lage, sich dort nach oben durchzukämpfen? Welche Charaktereigenschaften sind hinderlich, welche förderlich? Auf welche Art von Wissen und Fähigkeiten kommt es an?

Wir kennen das vom Sport: Bei den Basketballern haben die Langen Erfolg, bei den Kugelstoßern die Schwergewichtigen und die Starken. Boxer haben eine andere körperliche und geistige Disposition als Tennisspieler. Die Erfolgreichen sind das Ergebnis von Selbstselektion und Wettbewerb in ihrer jeweiligen Disziplin. Genauso formen die Selbstselektion und Wettbewerb innerhalb des Parteien-„Biotops“ die Erfolgreichen in der Politik.

Man kritisiere Institutionen, nicht Individuen

Ergebnis: Die Kritik an einzelnen Politikern bewirkt wenig. Wenn es gelingen sollte, einen Politiker wegen Unfähigkeit oder Fehlverhaltens zum Rücktritt zu bewegen, kommt ein anderer nach, der die gleiche Schule durchlaufen hat. Er wird dem ersten ähneln.

Wer die Misere der jetzigen Politik beenden will, muss die gesellschaftlichen Umstände ändern, die erfolgreiche Politiker formen. Dies erfordert eine soziologische Perspektive.

Foto von Randy Fath auf Unsplash